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Wie sieht die Zukunft in der Diabetes-Therapie aus?

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Ich sitze im Wartezimmer meiner Diabetologin. Das wiederkehrende Procedere: Blutwerte, Ultraschall, Langzeit-Wert. Die Zeit vergeht leider nicht. 9.00 Uhr Termin, nun ist es mittlerweile schon kurz vor zehn. Die Luft ist stickig, einige Patienten stehen, so wie ich. Es ist ätzend. Um die Zeit totzuschlagen, schnappe ich mir ein Wochenmagazin. Rubrik Gesundheit. Es geht um die ständige Begleitung von Technik im Alltag. Wearables, Fitnessbänder, Smartphone, Cloud-Lösungen, Big Data, App. Im Artikel ist der Redakteur der Meinung, dass unsere Gesellschaft aus rastlosen Selbstoptimierer besteht. Ständig auf der Suche nach den besten Blutwerten, dem idealen Gewicht. Die Deutschen als Selbstvermesser. „Gesünder, schöner, produktiver“, heißt es da.

Ist das wirklich so abwegig, geschweige denn zu verteufeln? Als Diabetiker wäre ich froh, mich einfach leben zu lassen, meine Gedanken und im Unterbewusstsein ablaufenden Mechanismen „auszulagern“. Wie hoch ist im Moment mein Blutzuckerwert? Habe ich einen Infekt? Bin ich krank? Wie viel Kalorien werde ich heute noch verbrauchen? Wann werde ich wieder Brennstoff in meine Zellen befördern? Wie viel Gramm Kohlenhydrate hat mein Gericht am Abend? Oder auch: Wann muss ich mein Basalinsulin spritzen?

Online-Lösungen als ausgesiedeltes Gedächtnis, als persönlicher Begleiter, der permanente Ratgeber. Aber bewegt man sich da auf einen Selbstfindungs-Trip? Als Diabetiker? Was ist mit dem 7-jährigen Jungen, der seine Eltern beruhigen muss, die ständig in Sorge um ihn sind, wenn er morgens auf dem Weg in die Schule ist? Oder einer 25-jährigen alleinstehenden Hochschwangeren, die neben ihrer Übelkeit auch noch ihren Schwangerschaftsdiabetes im Blick haben muss? Oder dem 62-jährigen Frühpensionär, der sich nun mit Bolus und Basal, Korrektur und Broteinheiten rumschlagen muss? Sie würden sich sehr gerne auf einem Selbstfindungs-Trip bewegen, mit dem sicheren Gefühl, mit weit weniger Sorgen und schweren Gedanken ihren Alltag zu bestreiten.

Ich wünsche mir eine Diabetes-Lösung, die mir eine große Unterstützung gibt, mich warnt, wenn mein Zuckerwert in den Keller sackt. Die mich warnt, gleich beim Frühstück nicht den üblichen Korrekturwert anzuwenden, wenn danach meine Jogging-Stunde mit der Nachbarin ansteht. Wenn das noch unter medizinischer Kontrolle geschieht, wäre ich einer der glücklichsten Diabetiker. Und ich träume von der Telemedizin: keine überfüllten Wartezimmer, kein Schlangestehen in der U-Bahn. Notebook anschmeißen, Kamera ausrichten: „Frau Doktor, wohin geht meine Diabetes-Reise?“

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