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EOSS statt BMI?

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Adipositas ist der Fachausdruck für Fettleibigkeit. Meist ist Adipositas die Vorstufe von anderen Krankheiten wie Diabetes –Typ-2, Hypertonie u.a.. Unser Interesse besteht darin, dass Leben von Diabetikern jeden Typs zu vereinfachen. Dazu gehört auch, dich zu informieren. Da Adipositas, wie eingangs erwähnt, häufig die Eintrittskarte für Diabetes-Typ-2 darstellt, widmen wir uns heute diesem Thema und einem neuen Ansatz, wie man diesem Krankheitsbild entgegentreten kann.

Nach neueren Erkenntnissen ist Adipositas eine unheilbare, chronische Krankheit, die sowohl genetisch als auch nichtgenetische Gründe für ihr entstehen hat. Leider ist die Erkenntnis, dass Adipositas eine chronische Krankheit ist, auch unter Fachkräften noch nicht vollständig etabliert. Der Grund für die Entstehung dieses Krankheitsbildes wird immer noch ausschließlich im Lebensstil des Patienten gesehen.

Laut aktuellen Studien ist nicht die Mutation eines einzelnen Gens die Ursache für die Entstehung, sondern häufig handelt sich um ein Netzwerk von Genvarianten, die diese Krankheit auslösen (Joost, DGE-Info 2013).  Hinzu kommt, dass  in Industrienationen der Fast-Food-Verzehr sehr hoch ist.  Doch mit Fast-Food sind nicht nur die Gerichte einer Restaurant-Kette mit einem großen gelben M als Logo gemeint und deren artverwandten Restaurants, sondern auch alle Fertiggerichte, die in der Regel arm an Ballaststoffen, reich an Zucker, gesättigten Fetten und Glutamat sind.  Deshalb steigt der Anteil an adipösen Menschen seit Jahren in Industrienationen, denn wenn jemand die genetischen Voraussetzungen für Adipositas hat, stellt die adipogene Umgebung in Industrienationen einen perfekten Nährboden für dieses Krankheitsbild dar. Leider ist auch in naher Zukunft nicht zu erkennen, dass sich dieses ändern wird, denn schon heute kennen viele Kinder und Jugendliche nichts anderes als Fast-Food.

Ein neuer Ansatz der Adipositastherapie kommt aus Kanada. Gegenwärtig wird in Deutschland noch der BMI als Parameter für den Therapieerfolg herangezogen. Dieser sei aber laut Prof. Dr. Arya Sharma von der University of Alberta, Edmonton, Canada nicht mehr zeitgemäß, da dieser die Heterogenität dieser Krankheit nicht wiederspiegele. Prof. Dr. Arya Sharma wurde 2013 mit dem deutschen Therapiepreis des BDEM/VDD für seine wegweisenden neuen Ansätze in der Therapie ausgezeichnet.  Laut Sharma benötigen Ärzte ein Risikoprofil, bevor sie über eine geeignete Therapie entscheiden können. Dafür eignet sich das bereits in den kanadischen Leitlinien verwendete EOSS (Edmonton Obesity Staging System) besser.  Dieses System berücksichtigt Risikofaktoren, Begleiterkrankungen, Beeinträchtigungen im Alltag sowie das Wohlbefinden des Patienten.  So rät er, Adipositas als unheilbare, chronische Krankheit zu verstehen und die  Verbesserung des Gesundheitszustands als primäres Therapieziel auszuloten, massive Gewichtszunahmen durch frühzeitige Prävention zu verhindern, geeignete Parameter für den Erfolg der Behandlung (auch ohne Gewichtsverlust) festzulegen und den persönlichen „best weight“ des Patienten herauszufinden (DGE-Info, 2013).

Die körperliche Aktivität bleibt ein wichtiges Instrument, wenn es darum geht, Adipositas vorzubeugen oder zu therapieren. Allerdings sollte es nicht als ausschließlich angesehen werden. Dr. Haufe von der MHH Hannover weist darauf hin, dass es keine konkreten Zahlen gäbe, die dieses belegen, auch führe eine Erhöhung der körperlichen Aktivität dazu, dass  Patienten ihre „Therapietreue“ verlören (ebd.). So werde der Trainigserfolg häufig mit Snacks und energiereichen Getränken belohnt. Was dazu führt, dass der Therapieerfolg gleich Null gesetzt wird. Dennoch ist und bleibt körperliche Aktivität ein wichtiges Puzzlestück in der erfolgreichen Therapie. Aber man kennt es häufig, man ist hochmotiviert und läuft untrainiert gleichmal 10km und freut sich in dem Moment, dass man um die 900 bis 1000kcal verbraucht hat. Am nächsten Tag begrüßt dich dann der Muskelkater deines Lebens zum Aufstehen und schon ist die Motivation wieder loszulaufen verflogen. Deshalb starte lieber langsam und moderat. Wenn du dich vorher nicht regelmäßig körperlich betätigt hast, starte erst mal mit kurzen Strecken und dafür regelmäßig (dreimal die Woche). Dann haut dich auch am nächsten Tag der Muskelkater nicht um.

Halten wir fest. Adipositas als Vorstufe zu Diabetes-Typ-2 ist eine unheilbare und chronische Erkrankung, die sowohl genetische Gründe als auch nichtgenetische Gründe hat. Der BMI als Parameter zur Bemessung des Therapieerfolgs ist überholt. Fachkräfte sollten das EOSS als  Hilfsgröße verwenden. Körperliche Aktivität ist wichtig, aber für den Therpieerfolg nicht allein ausschlaggebend.

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